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Ästhetische Stadtteilerforschung : Bestandsaufnahme

Ästhetische Stadtteilerforschung : Bestandsaufnahme

1. Ausstellung im Atelierhaus und im Toilettenhaus nach der Gründung des AH e.V.

Triebfeder der Arbeit sind vier Schulbücher im Privatbesitz aus und nach der Zeit des Nationalsozialismus. Propagandistische und entnazifizierte Lehrinhalte, aber vor allem auch individuelle Erinnerungen, als kreative Initiatoren, lassen retrospektive Collagen auf jeder Seite entstehen. Ausgerissene Schulbuchseiten kleben neben Berechtigungsscheinen, einzelne Buchstaben in Sütterlin- oder Kurrentschrift sind auf Scheinen deutscher Reichsmark geschichtet. Ein 1:1 kopiertes Mutterkreuz ist angrenzend an eine Illustration arretiert, die Verhaltensparolen für Frauen während des Nationalsozialismus verbildlicht. Hakenkreuzdarstellungen wurden bewusst, aber nicht provokativ in den Darstellungen belassen, sondern lediglich, um dokumentarische Korrektheit zu gewährleisten.

 

Omnipräsent ist der konkrete Bezug zur Ludwigschule als denkmalgeschützte Zeitzeugin. Aktuelle Fotografien, etwa von Treppenhaus, von der Kellertür, vom Ausblick aus einem Fenster nach Süden oder vom angrenzenden Toilettenhaus sind Herzstücke vieler Collagen. Graphische Ergänzungen, hier eine schnelle Skizze des Treppenhausgeländers, dort die Weiterführung der Kontur eines Kameraden aus der Fibel, werden mal harmonisierend, mal kontrastierend, aber immer spannungsreich in die Collage eingebracht.

„Schulterblick“, der Blick zurück, mit der Gefahr des toten Winkels, ruft die Vergangenheit schonungslos und unmittelbar ins Gedächtnis.

Weiter Kunstwerke wurden ausgestellt von:

Markus Becker, Herr Orm & Der Dream, Peter Buchwald,  Magdalena Döring , Elke Fahle,  Helmut Heinze, Ilse Hilpert, Maria Höning, Samira Klaho, Bernd Leistikow,  Gerhard Reinert, Emmy Rindtorff,  Erwin Schub, Karel Studnar, Katrin Wegemann, Peter Witucki

12. April 2014 bis 16. Juni 2014

Die Arbeit umfasst zwei gebundene Bände im hochquerrechteckigen Format, die Collagen enthalten. Die Ränder der Seiten aus handgeschöpftem Bütten sind unregelmäßig und interagieren als unregelmäßige Begrenzungen formal mit den Collageelementen: Buchseiten, private Fotografien, kopierte Archivmaterialien werden wie zerfetzte Gedankenfragmente durch Überkleisterung als narrative und gleichzeitig dokumentarische Sequenzen auf die Seiten gebannt.